Gefühlsnadelei oder warum ich meine Nadel liebe

/ Juli 14, 2016/ Strickwahnsinn/ 2Kommentare

Anfänglich komplett unterschätzt, gehe ich nun regelmäßig eine wahre Liebesbeziehung zu meiner Stricknadel ein. Was der Pinsel für Van Gogh, der Hammer für Thor war, ist die Nadel für mich. Ein unverzichtbares Werkzeug, mehr noch eine kreative Verlängerung meiner Hände.

Über die perfekte Stricknadel gibt es tausende Meinungen. Farbe, Beschaffenheit, Griffigkeit bis hin zu Modernem oder doch Retro Design. Die Nadel fungiert auch als Ausdrucksform der eigenen Persönlichkeit. Hierbei liegt es am Individuum selbst, welche Nadel bevorzugt wird. Oft liest man die Frage von Strick Neulingen, welche Nadel denn am besten wäre und welche nun gekauft werden soll. Auf diese Frage gibt es wohl nur völlig individuelle Antworten. Vermutlich wird so jeder Sticker/jede Strickerin  ihr/e eigene Nadel am geeignetsten finden. Auch ich habe natürlich meinen Favoriten. Dennoch versuche ich mich offen auch für neue Nadeln zu halten. Aber was nun macht die Nadel zu einer perfekten Nadel?! Schauen wir uns doch mal die Details einer Nadel an:

Stricknadeln werden aus Stahl, Aluminium, Messing, Kunststoff, Karbon, Bambus oder Holz usw. angefertigt. Sie sind 15 bis 50 cm lang und überall gleich stark nämlich zwischen 0,5-20 mm und verjüngen sich zum Ende hin. So weit so gut. Der ein oder andere mag nun denken, was für ein Aufwand wegen einer Nadel. Ist es nicht völlig egal welche? Hauptsache das Ergebnis passt.! Klar, im Grunde stimmt das. Das Ergebnis zählt. Für den Einen. Für den Anderen zählt aber nicht nur das Ziel, sondern auch der Weg zum Ziel. Unter Umständen hält man die Stricknadel über sehr viele Stunden in den Händen. Tatsächlich kann die Stricknadel über Schmerzen oder keine Schmerzen entscheiden. Warum ist das also so entscheidend? Nun mal die gängigsten Nadeln im kurzen Überblick.


 

Acrylnadeln:

Ich selbst besitze eine Nadel aus Acryl, die ich optisch sehr schick fand. Natürlich in Mädchen Pink. Da ich diese in einer Zwischengröße tatsächlich nur als Plastiknadel habe, greife ich öfter für Kleinigkeiten nach Ihr. Aktuell stricke ich also die Ärmel meiner Jacke eine halbe Nadelstärke kleiner mit jener Acrylnadel. Unfassbar, aber nach kürzester Zeit bekomme ich Schmerzen in den Schultern. Das ganze steigert sich tatsächlich so weit, dass ich am nächsten Tag einen lahmen Arm habe und pausieren muss. Vermutlich liegt es an der Art und Weise wie ich die Nadel halte. Das Acryl fühlt sich für mich unecht und rutschig an. Bei den aktuell hohen Temperaturen wird es mir fast unmöglich ohne schwitzige Hände zu stricken. Die Nadeln fühlen sich im Sommer also gruselig an. Zwar gleitet die Wolle schöner, doch dies scheint für meine Haltung nachteilig. So spare ich zum einen Zeit, weil die Maschen schneller von der Nadel gleiten aber verliere noch mehr Zeit, weil mein Arm weh tut und ich pausieren muss“. Von den Schmerzen wollen wir gar nicht sprechen. Ich bilde mir sogar ein, dass meine Hand irgendwie negativ auf das Acryl reagiert. Ich bekomme zusätzlich Schmerzen in den Knochen. Das kann natürlich völlig subjektiv sein. Ich habe keinerlei wissenschaftliche Ausarbeitung dazu. Aber das brauche ich ja auch nicht. Ich stelle diesen Effekt immer wieder fest, wenn ich von meiner Holznadel zur Acryl greife. Für mich reicht es völlig zu spüren, dass ich Schmerzen bekomme. Ob nun durch falsche Haltung, falsches Material oder weil es kurz vor Vollmond ist *lach* Ich spüre den Unterschied so massiv, dass ich intuitiv immer wieder zur Holznadel greife. Sobald ich also mal wieder etwas Geld über habe, werde ich auch jenes Acryl-“Gerät“durch meine geliebte Holznadel ersetzen.

Fazit:

+ optisch wunderschön

+ sehr leicht

+ für schwer gleitende Wolle gut geeignet

+ für Anfänger gut geeignet, die noch zu fest stricken

– man schwitzt mehr

– sie fühlen sich unecht an

– je nach Wolle quietschen sie sehr unangenehm


Metall:

Dann haben wir noch Metallnadeln. Sie sind immer angenehm kühl und auch eher rutschig von der Eigenschaft. Ich mag sie nicht, da sie immer Geräusche beim stricken machen. Nicht dieses angenehme holzige klappern sonder eben dieses metallische Klappern. Auch das ist meine subjektive Meinung. Man kann sicherlich auch metallisches Klappern als angenehm empfinden. Ähnlich wie bei der Acrylnadel fällt mein Fazit wie folgt aus:

+ sehr stabil, quasi „unkaputtbar“

+ sehr glatt und somit perfekt für raue Wolle

– Sie sind kalt (was auch als Vorteil gewertet werden kann je nach Vorliebe)

– schnell schwitzige Hände

– unangenehme Geräusche (Auslegungssache)

– eher ungeeignet für Leute, die locker stricken, da man schnell mal eine Masche verliert


Nun kommen wir zu meinen Favoriten, den

Holznadeln/Birkenholz:

Ich selbst bin direkt am Anfang bei den Holznadeln von Knit pro gelandet. Mein Mann wird es bestätigen können, ich bin eigentlich kein Fan von Holz. Aber bei Stricknadeln sieht das alles ganz anders aus. Optisch sehr schön farbig abgestimmt ist jede Nadel ein Unikat. Die Symfonie-Linie liegt sehr wertig und angenehm in den Händen. Die Nadeln sind nicht zu kühl und nicht zu warm, sie passen sich perfekt an. Auch sind die Nadeln nicht zu schwer und nicht zu leicht. Ich freue mich jedes Mal wenn ich sie auf ein Seil aufschraube. Gerade aktuell wo ich mit einer Acrylnadel stricke sehne ich mich nach meiner Holznadel. Ich zähle quasi schon die Maschen bis ich endlich fertig bin. Ich bin froh ganz früh direkt bei der Symfonie-Linie gelandet zu sein. Das Highlight für mich ist tatsächlich, dass man die Nadelspitzen bei den Rundstricknadeln einfach wechseln kann. Da hat sich Knit pro echt was einfallen lassen. Bei der Jacke, die ich aktuell stricke ich das Rückenteil auf einem Seil still gelegt, ebenso jeweils ein Vorderteil. Der enorme Vorteil an diesem Systemen ist nämlich, dass man die Nadeln einfach abschrauben kann und auf die Enden der Seile  zwei Stopper schrauben kann. Kein nerviges Auffädeln auf Hilfsfäden mehr.  Das einzige, was wirklich bedauernswert ist, dass ich leider nicht genug Geld für das komplette Set der Linie hatte, denn da ist eine schöne Aufbewahrungstasche dabei. Aber man muss es klar sagen, die Nadeln sind jeden Euro wert. Man kann sich also auch nach und nach diese kleine Luxus Nadel gönnen. Solltet ihr also vor der Entscheidung stehen, lieber viele günstige Nadeln oder wenige teure, kann ich ganz klar von den günstigen abraten. Hier mal die

Vor- und Nachteile:

+ wertiges Gefühl

+ Design

+ Gewicht

+ Stabilität

+ elektrostatisch neutral (besonders wichtig bei Kunststofffasern)

– Ich habe noch keine Nachteile gefunden.


Bambus-Nadeln:

Bambus-Nadeln sind mir leider noch nicht als Stricknadeln in die Finger geraten. Würde ich aber sehr gerne mal testen. Bisher habe ich nur Häkelnadeln aus Bambus. Diese sind aber ein eBay-günstig-Set und leider nicht sehr hochwertig. Diese Set´s kann man sich wirklich sparen. Auch wenn ich sie öfter mal benutze, so sind mir einige schon gebrochen oder es splittert was ab.  Bambus soll eine Temperaturausgleichende Eigenschaft haben und zudem elektrostatisch neutral sein. Daneben also für Allergiker besonders geeignet. Ich bin gespannt und neugierig auf Bambus-Nadeln. Ebenso wie auf:


Karbon Nadeln:

Diese sollen sehr leicht und bruchfest sein. Auch hier hatte ich leider noch nicht das Vergnügen. Der Preis schreckt mich ein wenig ab, auch wenn sie mehr als Edel wirken.



Gesamt Fazit:

Ich sage es euch frei raus wie ich es denke. Jeder hat das Recht auf seine eigene Lieblingsnadel. Ich kann jedem nur empfehlen die Nadeln selbst zu testen. Abraten würde ich tatsächlich nur von den ganz günstigen China Nadeln auf Ebay. Hier ist das Geld tatsächlich etwas verschwendet. Ansonsten geht in ein Geschäft, haltet die Nadel in den Händen. Oder bestellt euch, so wie ich auch auf gut Glück nach Hörensagen Nadeln. Ich habe mich mit der Symfonie-Linie auch auf Meinungen anderer verlassen und wurde nicht enttäuscht. Aber das Risiko besteht natürlich. Wie immer, alles was einen selbst glücklich und zufrieden macht, ist auch richtig. Was für mich passt, muss anderen noch lange nicht gefallen. Rein interessehalber würde ich mich aber freuen, wenn ihr mir einen Kommentar hinterlasst, welche Eure Lieblingsnadel ist.

 

Knit Pro Symfonie Nadel

2 Kommentare

  1. Hallo! Also aus meiner Erfahrung heraus arbeite ich mit den Karbonz (Karbon) Nadeln am liebsten. Nicht nur, dass sie schick aussehen, es lässt sich auch gut arbeiten damit. Keine Schweisshände, leichtläufiges Arbeiten, lediglich die Farbe schwarz ist gewöhnungsbedürftig. Der Nachteil dabei ist allerdings, dass sich mit der Zeit die silbernen Spitzen beginnen von der Nadel zu lösen, was ein Hindernis beim Weiterstricken ist und Kleben kann man die Spitzen nicht. Aber ich leiste mir immer 2x ein Set. Ist zwar teuer, aber so kann ich ggf. Nadeln tauschen. Ich habe alle anderen Nadeln verschenkt und verbannt, nur mehr 1 Set Alu-Nadeln in Reserve.

    1. Huhu Christa, ich bin auch mega neugierig auf die Karbonz. Jetzt noch mehr. Werde sie also unbedingt mal testen. Das mit den spitzen ist natürlich unschön. Vielleicht doch mal der Firma melden?!

Ich freue mich über Kommentare